23.03.10
Von: Siegfried R. Krebs
Humanismus - Perspektiven
Jetzt ist im Alibri-Verlag der erste Band einer Schriftenreihe der Humanistischen Akademie Deutschlands (HAD) erschienen. Dieses Buch dokumentiert eine Konferenz, die im November 2008 von der Politischen Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung und der HAD ausgerichtet wurde. Die Beiträge behandeln das Thema des modernen Humanismus zwischen Antike-Rezeption und Weltanschauungskampf, Philosophie und Weltanschauung, Wissenschaft und Bekenntnis, Atheismus und Religionskritik. Dabei wird auch darüber gestritten, welche Humanismus-Konzeptionen denn überhaupt zeitgemäß sind. So entsteht mit den 16 Beiträgen namhafter Autoren ein Bild über die vielfältigen Facetten des heutigen organisierten wie theoretischen Humanismus.
Welche Perspektiven hat insbesondere der organisierte Humanismus im heutigen Deutschland? Einerseits verstärkt sich die Säkularisierung der Gesellschaft – was aber nicht mit einer mitgliedermäßigen Stärkung säkularer (Weltanschauungs-)Verbände einher geht, andererseits erleben wir die unverblümten, vielfältigen Versuche eines Teils der politischen "Eliten", heutzutage Religion im staatlichen Raum noch stärker als bisher zu propagieren und zu privilegieren.
Aus meiner Sicht werfen insbesondere die Beiträge von Horst Groschopp (Humanismus als Weltanschauung), Jaap Schilt (Humanismus als Bekenntnis begreifen), Johann-Albrecht Haupt (Bürgerrechtlicher Humanismus), Michael Schmidt-Salomon (Evolutionärer Humanismus), Joachim Kahl (Weltlicher Humanismus) und Peter Schulz-Hageleit (Die Idee des Fortschritts) wichtige Fragestellungen auf. Und diese Autoren vermitteln nicht zuletzt Anregungen für das tägliche Finden von Antworten.
Ja, Humanismus muss praktisch sein, ganz im Sinne von Mitmenschlichkeit und Barmherzigkeit. Er darf sich auch nicht in wohlfeilen schönen Worten aus der Elfenbeinturmperspektive erschöpfen. Und Humanismus muss theoretisch sein, als Richtschnur, als Bekenntnis, als Wertesystem nicht zuletzt für die säkularen Verbände, die sich als Weltanschauungsgemeinschaft im Sinne des Grundgesetzes verstehen. Die „weltanschauliche Arbeit“ ist auch in unserem HVD zu intensivieren; die Humanistischen Akademien sind dafür wie geschaffen...
Was aber vielleicht noch wichtiger ist, gerade dem Aspekt der Bürgerrechtlichkeit sollte noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Immerhin verstehen wir unseren HVD ja auch als Interessenvertreter konfessionsfreier Menschen. Politisch geförderte Missionierungsoffensiven u.a.m. verlangen unseren vollen Einsatz für die Einhaltung des Grundgesetzes, für einen weltanschaulich neutralen Staat.
Dieser Band ist für mich ein sehr gutes Grundlagenmaterial für die humanismustheoretische Arbeit an der „Basis“ unseres Verbandes. Und er sollte daher weiteste Verbreitung finden.
Horst Groschopp (Hrsg.): Humanismusperspektiven. Schriftenreihe der Humanistischen Akademie Deutschland, Bd. 1. 209 S., kart., 16,- €. ISBN 978-3-86569-058-6
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