3. Landesmitgliederversammlung beschließt ehrgeizige Ziele

Tobias Dietzel, Siegfried R. Krebs, Yvonne Lautenschläger, Helmut Fink und Frank Roßner (Foto: A.R.)

WEIMAR. (hvd-th/hpd) Auf den Tag genau ist erst ein Jahr seit der offiziellen Gründung des Landesverbandes Thüringen im Humanistischen Verband Deutschlands (HVD) vergangen. Die Mitglieder des noch jungen Verbandes treffen sich wiederum im „Lounge Hotel Weimar“ zu einer Landesmitgliederversammlung.


Doch waren sie vor einem Jahr erst 16, so zählen die Thüringer Humanisten am 27. März 2010 bereits 32 Mitglieder – und 21 von ihnen nahmen heuer an dieser Versammlung teil. Beides Anlaß zu großer Freude. Der weitere Organisationsaufbau und die Mitgliedergewinnung bleiben aber nach wie vor ein wichtiges Ziel des HVD Thüringen, das wurde an diesem Märztag mehrfach in der Aussprache bekräftigt.

Doch im zweiten Jahr seines Bestehens rücken weitere ehrgeizige Ziele ins Zentrum der Verbandsarbeit. So hat diese 3. Mitgliederversammlung des HVD Thüringen, seine Angebote für eine humanistisch geprägte Lebensgestaltung zu erweitern. Noch in diesem Jahr soll die Gründung einer Humanistischen Akademie Thüringen als eingetragener Verein in die Wege geleitet werden. Dies gilt auch für ein Seniorenprojekt sowie ein Projekt der Erziehungs- und Familienberatung.
Anbieten können die Thüringer Humanisten bereits die Bereiche „Patientenverfügung“ und „Feierredner für Namensfeiern und Hochzeiten“.

Darüber hinaus beschlossen die Thüringer Humanisten eine Politische Erklärung. Hierin fordern sie die Politik auf, ausgehend von den Dokumenten der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) die verfassungsmäßige Trennung von Staat und Kirche in Deutschland endlich zu realisieren.

Der HVD Thüringen will auch damit sein Profil als Interessenvertreter der Konfessionsfreien weiter schärfen. Der Landesverband setzt sich darüber hinaus für eine stärkere Beachtung des Aspektes eines bürgerrechtlichen Humanismus in der HVD-Arbeit ein.

Als Gast konnten die Thüringer erneut den HVD-Bundesschatzmeister Helmut Fink begrüßen. Damit fanden ihre gesamtverbandspolitischen Anregungen und Vorschläge gleich einen kompetenten Adressaten. Seinerseits lobte Fink die Gastgeber insbesondere für die Qualität ihrer Öffentlichkeitsarbeit im Internet.

Weiterer Gast war Dr. Carsten Frerk, den die Thüringer bisher lediglich aus dem Internet als Leiter des hpd.de kannten. Frerk sprach in einer öffentlichen Vortragsveranstaltung mit nachfolgender lebhafter Diskussion zum Thema „Den Seinen gibt’s der Herr vom Staat – Wie auch Atheisten die Kirchen mitfinanzieren“. Mit diesem Vortrag hat in Thüringen erstmals eine Kooperationsveranstaltung von HVD und der Giordano-Bruno-Veranstaltung (gbs) stattgefunden. Eine weitere ist bereits für den September vereinbart, dann mit Dr. Michael Schmidt-Salomon.

Turnusgemäß stand auch die Wahl eines neuen Landesvorstandes auf der Tagesordnung. Als Vorsitzender ist Siegfried R. Krebs (Weimar) in seinem Amt bestätigt worden. Wiedergewählt wurden auch die Stellvertretende Vorsitzende Yvonne Lautenschläger (Weimar) und als weitere Mitglieder Sven Wirzbowitz (Bucha) und Frank Roßner (Magdala). Neu im Vorstand ist Tobias Dietzel (Eisenach). Der 27jährige Dietzel ist Stellvertretender Vorsitzender der Thüringer Interessenvereinigung Jugendweihe. HVD und Jugendweihe verbindet im Freistaat seit Herbst 2009 eine Kooperationsvereinbarung.

SRK
hpd am 28.03.10


HVD Thüringen offiziell gegründet

Vor der Gründung waren wir nur 13 Mitglieder, jetzt haben wir im Juni die Zahl 20 überschritten. (Foto: A. Roßner)

WEIMAR (hpd/HVD) Am vergangenen Samstag (28. März) konstituierte sich in Weimar unter Leitung des Vorsitzenden, des Journalisten und Kulturwissenschaftlers Siegfried R. Krebs (55), der Thüringer Landesverband des Humanistischen Verbandes Deutschlands (HVD).

Der HVD ging per einstimmigem Mitgliederbeschluss aus der am 12. Oktober 2008 ebenfalls in Weimar gegründeten „Humanistischen Landesgemeinschaft Thüringen (HLG)“ hervor. Delegationen des Bundesverbandes, darunter Präsident Dr. Horst Groschopp, und des Nürnberger HVD, Helmut Fink, nahmen teil. Die Anwesenden verabschiedeten, ebenfalls einstimmig, eine neue Satzung und ein politisches Programm.


Die Mitglieder bestätigten den bisherigen fünfköpfigen Vorstand in seinem Amt. Stellvertretende Vorsitzende ist die Weimarer Rechtsanwältin Yvonne Lautenschläger (33), Schatzmeister der selbständige Finanzberater Sven Wirzbowitz (36) aus Jena. Beisitzer sind der GmbH-Geschäftsführer und Dipl.-Ing. Frank Roßner (63) aus Magdala bei Jena und die Kulturwissenschaftlerin Kristin Müller-Wenzel (26) aus Greiz.

Neben den notwendigen vereinsrechtlichen Formalien stand die Aussprache über das künftige Wirken des HVD Thüringen im Mittelpunkt der Versammlung. HVD-Präsident Dr. Horst Groschopp führte vor der Versammlung in einem öffentlichen Vortrag in die Thematik „Religions-, Ethik- und Weltanschauungsunterricht“ ein. Ausgehend von seinem Vortrag formulierten die Thüringer Humanisten in der von ihnen verabschiedeten „Politischen Erklärung“ die Forderung „Gemeinsamer Ethikunterricht für alle Thüringer Schüler ab Klasse 7!“ Und sie treten für einen zusätzlichen gleichberechtigten freiwilligen und wahlweisen Unterricht in Religion oder Humanistischer Lebenskunde ein. Sie begründen diese Forderung, wie auch andere damit, dass drei Viertel aller Thüringer konfessionsfrei sind.

Der HVD fordert, dass in den Bereichen der Öffentlichkeit, die staatlichem Einfluss unterliegen, alle Zeichen sakraler Art zu unterlassen sind. Keine Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft dürfe benachteiligt werden.

Zu den weiteren Forderungen des HVD Thüringen gehört die Mitsprache in den Aufsichtsgremien des öffentlich-rechtlichen und des privaten Rundfunks, so wie es die Thüringer Landesverfassung verlangt. Und der HVD Thüringen fordert die Änderung des verfassungswidrigen Mediengesetzes, das in den Aufsichtsgremien lediglich der evangelischen und der katholischen Kirche sowie den jüdischen Kultusgemeinschaften Sitze zubilligt.

Der HVD Thüringen wird bald ein eigenes sozialkulturelles und weltanschaulich profiliertes Projekt in eigener freier Trägerschaft entwickeln. Hier haben die ersten Überlegungen bereits begonnen.

Der Verband wird im Vorfeld der Landes- und Bundestagswahlen mit „Wahlprüfsteinen“ an die Öffentlichkeit gehen und das Gespräch mit demokratischen Parteien und der Landesregierung suchen. Auch über Bündnisse mit anderen Verbänden wurde ausgiebig gesprochen. Der anwesende Vorsitzende des Landesverbandes der Jugendweihe Deutschland erklärte sich unter Beifall zur Kooperation mit dem HVD bereit.

Zählte der „nichtrechtsfähige Vorverein“, die Landesgemeinschaft, bei Gründung gerade mal drei Mitglieder, so wuchs diese Zahl bis Ende März auf 13 an. Einige Sympathisanten traten dem Verein unmittelbar vor der Landesmitgliederversammlung bei, so dass der HVD Thüringen seine praktische Tätigkeit nun mit 16 Mitgliedern aus allen Altersgruppen, neun Männer und sieben Frauen, aufnehmen kann. Derzeit bestehen zwei Kreisverbände in Weimar und Jena, zwei weitere sind in Gera und Südthüringen im Aufbau.

Siegfried R. Krebs

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